Vitamin D in der Schwangerschaft: Neue Studie zeigt langfristige Vorteile für die Knochengesundheit der Kinder
Eine wegweisende britische Studie liefert wichtige Erkenntnisse für werdende Mütter: Die Einnahme von Vitamin D während der Schwangerschaft kann die Knochengesundheit der Kinder bis ins Schulalter positiv beeinflussen.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
Die MAVIDOS-Studie (Maternal Vitamin D Osteoporosis Study) untersuchte über mehrere Jahre hinweg die Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung in der Schwangerschaft. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft täglich 1000 IE Vitamin D einnahmen, zeigten im Alter von 6-7 Jahren eine höhere Knochendichte als Kinder der Placebo-Gruppe.
Was bedeutet das konkret?
Die Studie umfasste 454 Kinder, die im Alter von 6-7 Jahren untersucht wurden. Die Messungen zeigten:
- Erhöhte Knochenmineraldichte: Die Kinder der Vitamin-D-Gruppe hatten eine um 0,18 Standardabweichungen höhere Knochendichte
- Mehr Knochenmasse: Auch die Gesamtknochenmasse war signifikant erhöht
- Verbesserte Körperzusammensetzung: Die Kinder hatten zudem eine leicht erhöhte Muskelmasse
Warum ist das wichtig?
Eine höhere Knochendichte in der Kindheit legt den Grundstein für starke Knochen im Erwachsenenalter. Die in der Studie beobachtete Verbesserung könnte das Risiko für Knochenbrüche sowohl in der Kindheit als auch im späteren Leben reduzieren. Experten schätzen, dass die gemessene Erhöhung der Knochendichte das Frakturrisiko um etwa 2% senken könnte – was auf Bevölkerungsebene einen bedeutsamen Effekt darstellt.
Praktische Empfehlungen für Schwangere
Aktuelle Situation in Deutschland
In Deutschland wird Schwangeren derzeit eine tägliche Vitamin-D-Zufuhr von 800 IE (20 μg) empfohlen. Die Studie verwendete eine Dosis von 1000 IE täglich, was nur geringfügig höher liegt.
Was können Sie tun?
- Vitamin-D-Status bestimmen lassen: Lassen Sie zu Beginn der Schwangerschaft Ihren Vitamin-D-Spiegel beim Arzt bestimmen
- Mit dem Arzt sprechen: Besprechen Sie die Studienergebnisse mit Ihrem Frauenarzt und klären Sie, ob eine Supplementierung für Sie sinnvoll ist
- Regelmäßige Einnahme: Falls eine Supplementierung empfohlen wird, ist die tägliche Einnahme wichtig – die Studie zeigte, dass die Effekte erst nach der Geburt sichtbar wurden
- Natürliche Quellen nutzen:
- Moderate Sonnenexposition (15-20 Minuten täglich)
- Vitamin-D-reiche Lebensmittel wie fetter Fisch, Eigelb und angereicherte Milchprodukte
Besonderheiten der Studie
Die MAVIDOS-Studie zeichnet sich durch mehrere Stärken aus:
- Randomisierte, placebokontrollierte Durchführung (Goldstandard der Forschung)
- Langzeitbeobachtung über 6-7 Jahre
- Große Teilnehmerzahl
- Durchführung in Großbritannien mit ähnlichen klimatischen Bedingungen wie Deutschland
Ein Blick in die Zukunft
Interessanterweise zeigten sich die positiven Effekte nicht direkt nach der Geburt, sondern entwickelten sich erst im Laufe der Kindheit. Dies deutet darauf hin, dass Vitamin D möglicherweise epigenetische Veränderungen bewirkt, die sich erst später manifestieren.
Die Forscher planen bereits Folgeuntersuchungen der Kinder in der Pubertät, um zu sehen, ob die positiven Effekte bestehen bleiben.
Fazit
Die MAVIDOS-Studie liefert überzeugende Argumente für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung in der Schwangerschaft. Angesichts der geringen Kosten und des günstigen Sicherheitsprofils von Vitamin D in den empfohlenen Dosen könnte dies eine einfache und effektive Maßnahme zur Verbesserung der langfristigen Knochengesundheit unserer Kinder darstellen.
Wichtiger Hinweis: Besprechen Sie jede Nahrungsergänzung während der Schwangerschaft mit Ihrem Arzt. Die individuell richtige Dosis hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich Ihres aktuellen Vitamin-D-Status und Ihrer Lebensumstände.
Quelle: Moon RJ et al. „Pregnancy vitamin D supplementation and offspring bone mineral density in childhood: follow-up of a randomized controlled trial“ The American Journal of Clinical Nutrition, 2024